Gutachten Bemerkbarkeit Kleinkollision

Gutachten zur Fahrerflucht / Unfallflucht nach §142 STGB

Im Rahmen von Unfallfluchtdelikten stellt sich immer wieder die Frage, ob eine Kollision kleineren Umfangs vom Unfallverursacher bemerkt werden konnte oder nicht.

Anhand von Schadensfotos und der daraus resultierenden Kollisionsstellung überprüfen die Sachverständigen optische, akustische und mechanische Wahrnehmbarkeitsmerkmale sowie kollisionsfremde Einflüsse, die möglicherweise Hinweise darauf geben könnten, dass das Kollisionsereignis tatsächlich nicht wahrgenommen werden konnte.

Wenn eine Bemerkbarkeit auf allen Ebenen ausgeschlossen werden kann, dürfte sich dies für den Unfallverursacher entlastend auswirken.

Gutachten zur taktilen Wahrnehmbarkeit von Unfällen spielen vor allem bei Parkplatzunfällen mit Fahrerflucht eine entscheidende Bedeutung.

In einem Gutachten zur Bemerkbarkeit von Kleinkollisionen werden

1. Optische Wahrnehmung

2. Akustische Wahrnehmung

3. Taktile Wahrnehmung

innerhalb einer Unfallrekonstruktion geprüft.

Bereits leichte Berührungen beim Einparken oder Rangieren führen in der Regel zu Schäden an anderen Fahrzeugen oder Gegenständen. Verlässt der Fahrer des schädigenden Fahrzeugs den Unfallort ohne seine Personalien feststellen zu lassen, wird gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Unfallflucht (§ 142 StGB) eingeleitet.

Wer einer Unfallflucht beschuldigt wird, dem drohen eine Geldstrafe, sieben Punkte im Flensburger Verkehrszentralregister sowie ein Fahrverbot oder – je nach Höhe des verursachten Fremdschadens – sogar der Entzug der Fahrerlaubnis. Der Verfolgungseifer der Justiz ist bei diesem Delikt hoch, doch werden entlastende Umstände manchmal übersehen beziehungsweise als gering bewertet. Die Einlassung des Beschuldigten, er habe den Unfall nicht wahrgenommen, wird häufig als bloße Schutzbehauptung abgetan, während Zeugenaussagen über Unfallgeräusche oder Aufschaukeln der Fahrzeuge bisweilen unkritisch zur Entkräftung der Einlassung herangezogen werden.

Von zentraler Bedeutung für die Strafbarkeit ist häufig die Bemerkbarkeit der Kollision für den Schädiger. Irrte dieser sich nämlich über die Tatsache, dass sich ein Unfall ereignet hat, darf er mangels Vorsatz nach § 16 Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB) nicht bestraft werden – zumindest solange sich die Unkenntnis vom Unfall nicht auf Fahrlässigkeit zurückführen lässt.

 

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